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Zertifizierungsverfahren

Von der Bewerbung bis zur Verleihung des »Siegel gewaltfreie Schule«



Im Folgenden wird das Bewerbungs- (Schule) und Bewertungsverfahren (Präventionsrat) für das »Siegel gewaltfreie Schule« vorgestellt. Da das Siegel grundsätzlich nur befristet auf drei Jahre verliehen wird, ist zwischen einer Erst- und einer Folgebewerbung zu unterscheiden. Die Erstbewerbung ist, auf der Basis überzeugender Vorarbeiten, wesentlich eine Selbstverpflichtung zur professionellen Erschließung zentraler Handlungsfelder der Gewaltprävention. In Folgebewerbungen dagegen ist der Nachweis einer vollständigen Erschließung dieser Handlungsfelder zu erbringen. Dieser Umstand ist von den Schulen unbedingt schon vor der Erstbewerbung zu bedenken; würde der Entzug des Siegels nach drei Jahren doch ein erheblicher Imageschaden für die Schule bedeuten.

Der Präventionsrat verfügt über eine Koordinierungsstelle für das »Siegel gewaltfreie Schule«, die den gesamten Bewertungsprozess organisiert. Beteiligt ist immer ein Mitglied der Geschäftsführung, an die sich im Übrigen auch die Bewerbungen richten.

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1. Eine Schule wird initiativ

Erstbewerbung: Die Beschluss fassenden Gremien einer Schule kommen darin überein, sich um das »Siegel gewaltfreie Schule« zu bemühen. Es wird eine Steuergruppe installiert, um die Bewerbung vorzubereiten. Häufig wird die Initiative allerdings von informellen Arbeitsgruppen ausgehen, die ihre Aktivitäten dann als Schulprojekt vorschlagen und autorisieren lassen. Der Zugriff auf die notwendigen Informationen zum Siegel erfolgt grundsätzlich über die Schulleitung, ohne deren Unterstützung eine erfolgreiche Bewerbung ausgeschlossen ist.

Folgebewerbung: Bereits mit dem »Siegel gewaltfreie Schule« zertifizierte Schulen erhalten vom Bremerhavener Präventionsrat keine Erinnerung an die notwendige Folgebewerbung zur Erneuerung des Siegels. Spätestens zwei Jahre nach der letztmaligen Zertifizierung wird die schulische Steuerungseinheit Gewaltprävention daher von sich aus über die zugesagten Aktivitäten hinaus die Formulierung des Folgeantrags vorbereiten. Alle Beschluss fassenden Gremien werden informiert.

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2. Abgleich der Voraussetzungen für die Siegelvergabe mit der aktuellen Praxis

Erstbewerbung: Nach der Sichtung der Voraussetzungen für die Erstvergabe des Siegels überprüft die Schule ihre Praxis im Feld der Gewaltprävention. Sie nutzt hierzu die Formblätter für die Darstellung der Pflicht- und Wahlhandlungsfelder. Dabei sollten die verantwortlichen Akteure für die Umsetzung der Präventionspraxis eingebunden werden. Aus dem Vergleich von Ist- und Soll-Zustand ergibt sich ein potenzielles Arbeitsvolumen für die folgenden drei Jahre. In Absprache mit der Schulleitung und den Schulgremien ist abzuwägen, ob eine adäquate Erschließung der Handlungsfelder in drei Jahren realistisch ist. Besteht hierzu keine begründete Zuversicht, sollte zunächst die konkrete Präventionsarbeit weiter vorangetrieben werden, ehe ein Antragsverfahren für das Siegel erarbeitet und eingereicht wird.

Folgebewerbung: Die schulische Steuerungseinheit Gewaltprävention prüft, inwieweit die zugesagte Erschließung der Handlungsfelder (nachhaltige, programmatische wie praktische Umsetzung der avisierten Aktivitäten, Verankerung und Einsatz regelmäßiger Evaluationsformen) bereits gelungen ist. Sie ergreift die notwendigen Maßnahmen, um die Erschließung der Handlungsfelder im Laufe des letzten Jahres abzuschließen bzw. zu erneuern. Darüber hinaus entwickelt sie in Abstimmung mit den Schulgremien den Arbeitsplan für ein neues Projektfeld, das in den darauffolgenden drei Jahren erschlossen werden soll. Schließlich muss die praktische Ausarbeitung des Antrags vorangetrieben werden.

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3. Formulierung der Bewerbungsunterlagen

Erstbewerbung: Wenn sich die Schule für die Beantragung des Siegels gerüstet sieht, müssen Texte für die Pflichthandlungsfelder und für mindestens ein Wahlhandlungsfeld entsprechend der Vorgaben formuliert werden (siehe Bewerbung). Aus den Texten müssen sich sowohl die aktuelle Praxis als auch – möglichst konkret – die notwendigen Arbeiten für die kommenden drei Jahre zur Erschließung der Felder ergeben. Zum Nachweis der programmatischen Verankerung sind entsprechende Dokumente beizufügen (z. B. Schulprogramm). Die Ausführungen zu den Handlungsfeldern müssen anschlussfähig sein an eine Darstellung zur grundsätzlichen Orientierung auf ein gewaltfreies Miteinander (siehe Bewerbung). Für alle Handlungsfelder sind feste personelle Zuständigkeiten festzulegen. Die genannten Personen fungieren im weiteren Verfahren für den Präventionsrat ggf. als Ansprechpartner für eventuelle Nachfragen.

Folgebewerbung: Soll das Siegel erneuert werden, so ist mit den Formblättern zu dokumentieren, dass die Schule die Handlungsfelder entsprechend der Vorgaben erschlossen bzw. erneuert hat. Die Texte müssen an die Vorgaben der vorangegangenen Bewerbung anschließen. Weiterhin ist für ein zusätzliches Wahlhandlungsfeld darzulegen, wie es innerhalb der folgenden drei Jahre erschlossen werden soll. Programmatische Verankerungsprozesse sind mit den entsprechenden Anlagen nachzuweisen. Soweit sich an der grundsätzlichen Orientierung auf ein gewaltfreies Miteinander etwas verändert hat, ist dies mit dem entsprechenden Formblatt zu dokumentieren.

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4. Erklärung zum Gewaltverzicht

Erst- und Folgebewerbungen: Unabhängig davon, ob das »Siegel gewaltfreie Schule« erstmalig erworben oder erneuert werden soll, ist die in den Bewerbungsunterlagen beigefügte Erklärung zum Gewaltverzicht in ihrer je aktuellen Fassung von mindestens 80 Prozent aller schulischen Akteursgruppen (Lehrpersonal, Schülerinnen und Schüler, Eltern, NuP) zu unterzeichnen. Die Schulleitung gibt für die Bewerbungsunterlagen eine schriftliche Erklärung ab, dass dieses geforderte Kriterium eingelöst wurde. Sie benennt dabei sowohl die Anzahl der unterzeichneten Erklärungen als auch die erreichte Beteiligung in Prozentwerten für alle Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern und für das nicht unterrichtende Personal (NuP). Die Dokumente werden in der Schule deponiert. Die Sammlung der Unterschriften ist sinnvollerweise so zu organisieren, dass in der Schulöffentlichkeit größtmögliche Transparenz zu den bestehenden und avisierten Präventionsaktivitäten hergestellt wird und die Sammlung der Unterschriften einen ersten bzw. erneuten Startpunkt markiert, um sich dem Ziel der Gewaltfreiheit noch systematischer zu verschreiben.

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5. Versand bzw. Eingang der Bewerbung

Schule: Die Erstbewerbung kann jederzeit eingereicht werden. Sie richtet sich an die Geschäftsführung des Präventionsrates. Für eine Folgebewerbung gilt, dass sie spätestens drei Kalenderjahre nach dem vormaligen Verleihungstermin erfolgen muss. Während des Verfahrens wird Folgebewerbern die weitere Nutzung des Logos zugestanden. Bei einer Überschreitung der Erneuerungsfrist um sechs Monate wird der betreffenden Schule das Siegel entzogen. Die einzureichenden Unterlagen umfassen das Grundsatzpapier zur Gewaltvermeidung, die Ausführungen und Anlagen zu den Pflicht- und Wahlhandlungsfeldern sowie die Bestätigung der Schulleitung über die erfolgreiche Sammlung der Unterschriften zur Gewaltverzichtserklärung. Die Bewerber verwenden dazu die offiziellen Bewerbungsunterlagen.

Eingehende Bewerbungen werden von der Geschäftsführung des Präventionsrates umgehend per E-mail bestätigt. Es wird eine abschließende Bewertung innerhalb von maximal sechs Monaten garantiert. Innerhalb der Koordinierungsstelle werden die personellen Zuständigkeiten für die gesamte Bearbeitung der Bewerbung festgelegt.

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6. Formale Kontrolle der Bewerbung

Es folgt eine erste formale Sichtung der Bewerbungsunterlagen. Kontrolliert werden die Nutzung der offiziellen Formulare und die Vollständigkeit der Unterlagen. Zwingend vorhanden sein müssen

  • Darstellung der grundsätzlichen Orientierung auf ein gewaltfreies Miteinander,
  • Ausführungen zu den Pflichthandlungsfeldern gemäß der Vorgaben,
  • Ausführungen zu den bereits erschlossenen oder zu erschließenden Wahlhandlungsfeldern gemäß der Vorgaben,
  • die verbindliche Angabe personeller Zuständigkeiten für alle Handlungsfelder und
  • eine Bestätigung der Schulleitung darüber, dass mindestens je 80 Prozent der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern und NUP die Erklärung zum Gewaltverzicht unterzeichnet haben.

Sind Bewerbungen diesbezüglich fehlerhaft, werden sie mit entsprechenden Hinweisen an die Schule zurückgesandt.

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7. Erste inhaltliche Kontrolle

Entspricht die Bewerbung den formalen Vorgaben, so nimmt die Koordinierungsstelle eine erste inhaltliche Bewertung vor. Ganz allgemein wird sie überprüfen, inwieweit die praktizierten oder avisierten Aktivitäten

  • grundsätzlich geeignet sind, das entsprechende Handlungsfeld hinreichend zu erschließen (eine Schulordnung z. B. erschließt sicher nicht vollständig das Handlungsfeld 1)?
  • eine programmatische Verankerung implizieren (z. B. im Schulprogramm) und so losgelöst vom besonderen Engagement einzelner Schulakteure auch Nachhaltigkeit entfalten können?
  • als Teil einer gelebten Präventionskultur die notwendige Transparenz und Verbindlichkeit im Schulalltag entfalten bzw. dies zukünftig tun sollen?
  • durch regelmäßige Evaluationsprozesse mit festgelegten Methoden einer Wirkungskontrolle unterzogen werden (sollen)?

Sie wird darüber hinaus überprüfen, ob die praktizierten bzw. avisierten Aktivitäten nachvollziehbar ein Passungsverhältnis mit der grundsätzlichen Orientierung der Schule auf ein gewaltfreies Miteinander besitzen. Nur bei einer solchen Passung werden die Aktivitäten als Bausteine einer Gesamtstrategie ihre ideale Wirkung entfalten. Laufen bestimmte Aktivitäten dem Gesamtverständnisse dagegen zuwider, ist dies ein sicheres Zeichen für die fehlende Verankerung des Verständnisses im kollektiven Bewusstsein der Schule.

Bei Erstbewerbungen wird die Koordinierungsstelle für das Siegel vorläufig befinden, ob eine vollständige Erschließung der Pflichthandlungsfelder und mindestens eines Wahlhandlungsfeldes innerhalb von drei Jahren realistisch erscheint. Bewertungsmaßstäbe sind dabei sowohl die existierende Praxis als auch die Qualität und Präzision der Vorstellungen über die notwendigen Aktivitäten in den darauf folgenden drei Jahren. Erscheint eine zufriedenstellende Erschließung völlig unrealistisch, kann die Bewerbung negativ beschieden werden.

Bei Folgebewerbungen sollten die Dokumentationen eine zufrieden stellende Erschließung bzw. Reproduktion aller zuvor bearbeiteten Handlungsfelder nahelegen und darüber hinaus einen Arbeitsplan zur Erschließung eines zusätzlichen Feldes beinhalten. Wurden bei einer wiederholten Erneuerung des Siegels neben den fünf Pflichthandlungsfeldern bereits vier zusätzliche Felder erschlossen, so genügt der Nachweis über die stetige Reproduktion bisheriger Aktivitäten. Ist die Erschließung von Handlungsfeldern auch mit einigen Nacharbeiten offenkundig nicht zu erreichen, kann das Siegel entzogen werden.

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8. Berichterstattung im Präventionsrat und Vorbereitung der Hospitation

Auf der ersten turnusmäßigen Sitzung des Präventionsrates informieren die Mitglieder der Koordinierungsstelle den Präventionsrat über die Bewerbung. Sie nehmen dabei eine vorläufige Bewertung vor, verweisen auf Nachfragen an die Schule, die sich aus ihrer Bewertung ergeben und benennen Handlungsfelder, zu denen während eines Schulbesuchs vertiefte Informationen gewonnen werden sollen. Zeitnah wird mit der Schule ein Termin für eine Hospitation vereinbart.

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9. Der Schulbesuch

Ehe eine abschließende Bewertung der Bewerbung vorgenommen wird, führen die Mitglieder der Koordinierungsstelle einen Schulbesuch durch, um vertiefte Informationen zu bestimmten Aspekten der Bewerbung zu gewinnen. Der Besuch soll nicht mehr als einen Vormittag in Anspruch nehmen. Die Schule stellt für diesen Zeitraum sicher, dass alle Akteure verfügbar sind, die in Verantwortung für die Handlungsfelder stehen. Es steht den Mitgliedern der Koordinierungsstelle frei, bestimmte Präventionsinstrumente durch eine Hospitation kennenzulernen und Schulakteure ihrer Wahl frei zu befragen.

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10. Abschließende Bewertung durch die Koordinierungsstelle

Nach dem Schulbesuch nehmen die Mitglieder der Koordinierungsstelle eine abschließende Bewertung der Bewerbung vor. Sie haben dabei folgende Optionen für ein Urteil:

  • Zuerkennung des „Siegels gewaltfreie Schule“: Das Siegel wird ohne Auflagen für die Dauer von drei Jahren verliehen. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass die erfolgreiche Abarbeitung der mit der Bewerbung angekündigten Aktivitäten zum Maßstab für die Folgebewerbung genommen werden wird.
  • Zuerkennung des „Siegels gewaltfreie Schule“ mit besonderen Auflagen: Die Schule erhält das Siegel für die Dauer von drei Jahren. Über die in der Bewerbung angekündigten Aktivitäten hinaus wird die Schule aufgefordert, bestimmte zusätzliche Aktivitäten zur angemessenen Erschließung von Handlungsfeldern zu erledigen. Die erfolgreiche Durchführung wird zu einem Kriterium für die Folgebewerbung gemacht.
  • Ablehnung mit der Möglichkeit eines modifizierten Folgeantrags: Auf der Basis der vorhandenen Bewertung wird das „Siegel gewaltfreie Schule“ nicht verliehen. Mit überschaubarem Aufwand sind jedoch Anpassungen zu einzelnen Handlungsfeldern leistbar, die das Siegel rechtfertigen würden. Die Schulen erhalten konkrete Hinweise für die Nacharbeit. Ein überarbeiteter Antrag kann jederzeit eingereicht und das Siegel in einem verkürzten Verfahren verliehen werden.
  • Ablehnung: Das „Siegel gewaltfreie Schule“ wird nicht zuerkannt. Mit der Ablehnung wird bei Zugrundelegung der Siegelkriterien mitgeteilt, dass erhebliche Probleme bzw. Defizite in der inhaltlichen Ausgestaltung von Handlungsfeldern oder – bei Erstbewerbung – in der Leistbarkeit dieser Ausgestaltung gesehen werden. Ein erneuter Antrag kann frühestens ein Jahr nach der Ablehnung gestellt werden.
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11. Beschluss zur Verleihung bzw. Erneuerung des Siegels

Auf der folgenden Sitzung des Präventionsrates stellt die Koordinierungsgruppe dem Gremium ihr abschließendes Votum zur Bewerbung vor. Soweit es keine schwerwiegenden Einwände gibt, wird bei einer positiven Bewertung die Verleihung des „Siegels gewaltfreie Schule“ nun beschlossen. Hierzu ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder erforderlich. Zur Beschleunigung kann der Beschluss auch im Umlaufverfahren getroffen werden. In diesem Fall ist eine Zweidrittelmehrheit aller Mitglieder des Präventionsrates erforderlich. Bei einem positiven Votum veranlasst die Koordinierungsgruppe die Dokumentation des Entscheides auf der Homepage. Außerdem wird natürlich die Schule informiert.

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12. Feierlicher Akt zum Erwerb bzw. zur Erneuerung des »Siegels gewaltfreie Schule«

In Absprache mit der Schule legen die Mitglieder der Koordinierungsstelle den Termin für den feierlichen Akt zur Verleihung bzw. Erneuerung des »Siegels gewaltfreie Schule« fest. Dieser wird vom Präventionsrat und der Schule bekannt gemacht. Bei der Organisation und Durchführung der Zeremonie wird die Schule vom Präventionsrat unterstützt. Ziel ist eine Veranstaltung, die in die Öffentlichkeit abstrahlt und eine positive Identifikation mit dem Siegel und allgemeiner mit der Orientierung auf eine gewaltfreie Schule fördert. Mit der Plakette erhält die Schule das Recht zur Nutzung des Logos „gewaltfreie Schule“. Dieses Recht umfasst z. B. auch die Nutzung des Logos an der Beschriftung des Schulgebäudes und im Briefkopf der Schule sowie auf T-Shirts für die Schülerinnen und Schüler. Im gegebenen Rahmen kann das Qualitätssiegel überdies wesentlich dazu beitragen, für die Schule Spenden und Sponsoren zu gewinnen, mit denen das Engagement der Schule gewürdigt wird.

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