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Voraussetzungen für den Erwerb des »Siegels gewaltfreie Schule«

Das »Siegel gewaltfreie Schule« können Bremerhavener Schulen der Sekundarstufe I erwerben, die zentrale Elemente der schulischen Gewaltprävention als kohärentes Bündel nachhaltig in ihren Schulalltag integrieren, ihre Aktivitäten kontinuierlich evaluieren, weiterentwickeln und ausbauen sowie sämtliche Statusgruppen der Einrichtung in die Präventionspraxis einbinden (siehe Allgemeines). Was heißt das konkret für Schulen, die sich um das Siegel bemühen möchten? Welche genauen Voraussetzungen sind gefordert? Was ist konkret zu tun?

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1. Darstellung der grundsätzlichen Orientierung auf ein gewaltfreies Miteinander

Der Bewerber dokumentiert, dass eine gemeinsam getragene, für alle Akteure verbindliche Haltung zum Thema Gewalt nachhaltig in der Schule verankert wurde. An der Orientierung bemessen sich letztlich alle eingesetzten Instrumente der Präventionspraxis, ist doch die Kohärenz der Aktivitäten eine grundlegende Voraussetzung für eine optimale Wirkungsentfaltung. Für die Darstellung wird das entsprechende Formblatt verwendet.

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2. Erschließung der Pflichthandlungsfelder

Der Bewerber dokumentiert, dass er in fünf zentralen Handlungsbereichen der schulischen Gewaltprävention nachhaltige Aktivitäten etabliert hat bzw. innerhalb der kommenden drei Jahre in den Schulalltag etablieren wird. Er nutzt hierzu die Formblätter, die auch Hinweise zu den konkreten Bewertungskriterien beinhalten. Feldübergreifend sind folgende Bewertungskriterien grundlegend:

Die Präventionsaktivität bzw. das Präventionsinstrument soll

  • angemessen sein, um den Handlungsbereich hinreichend bearbeitet zu haben,
  • Teil des gelebten Schulalltags sein,
  • zur Entfaltung von Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit programmatisch verankert sein und
  • mit Blick auf die Problemlöserelevanz und die Wirkungsentfaltung regelmäßig und mit fest definierten Erhebungsinstrumenten evaluiert werden.

Die insgesamt fünf grundlegenden Handlungsbereiche sind (a) die Verankerung von einer verbindlichen Gewaltdefinition und konkreten Verhaltensregeln für ein respektvolles Miteinander, (b) einheitliche und transparente Verfahren im Umgang mit Gewalt, (c) Gewaltvermeidung und Kooperation im Kollegium, (d) die Sicherung effizienter Aufsichten und Kontrollen sowie (e) eine gut ausgebaute Schülerstreitschlichtung. Letzteres, eigentlich nur eine spezielle Form von Schülerbeteiligungsverfahren in der Gewaltprävention, ist als Bremerhavener Besonderheit zu sehen. Hier wurde die Schülerstreitschlichtung in der Sekundarstufe I mit großem Aufwand flächendeckend eingeführt, so dass ein besonderes Interesse an der Nachhaltigkeit dieser Bemühungen vorhanden ist.

Bei Erstbewerbungen sind über die bestehende Praxis hinaus die beabsichtigten Arbeitsschritte zur Etablierung der Aktivitäten für jedes Handlungsfeld darzulegen.

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3. Erschließung der Wahlhandlungsfelder

Der Bewerber dokumentiert, dass er zusätzlich zu den Pflichthandlungsfeldern ein weiteres Handlungsfeld der Gewaltprävention innerhalb der folgenden drei Jahre nachhaltig für die Schule erschließen wird. Diese Anforderung gilt für Erst- und Folgeanträge. Den Schulen steht für die Projektfindung ein recht offener Pool an Wahlhandlungsfeldern zur Verfügung. Folgende Handlungsfelder sind berücksichtigt:

  • Systematischer Erwerb und Nutzung einschlägiger Qualifikationen
  • Schülerbeteiligungsformen in der Gewaltprävention
  • Elternbeteiligung in der Gewaltprävention
  • Einbindung der Präventionsarbeit in Stadtteilnetzwerke
  • Strategien und Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt
  • Innovative Aktivitäten

Mit dem zuletzt genannten Handlungsfeld soll Raum für die Würdigung neuartiger Angebote geschaffen werden. Auch können hier wichtige Bereiche wie Antirassismus, Mobbing, systematischer Aggressionsabbau und dergleichen mehr Berücksichtigung finden. In Folgebewerbungen zur Erneuerung des »Siegels gewaltfreie Schule « für jeweils drei Jahre sind bis dahin noch nicht erschlossene Handlungsfelder zu bearbeiten. So garantiert das Siegel eine kontinuierliche Arbeit an der Optimierung der Gewaltprävention in zertifizierten Schulen. Existieren in einer Schule zu sämtlichen Handlungsfeldern etablierte Aktivitäten, die den Kriterien entsprechen, so ist deren regelmäßige Evaluation und stetige Reproduktion für die Erneuerung des Siegels hinreichend.

Zur Dokumentation der avisierten Praxis, der Vorarbeiten und des Arbeitsplanes für das Wahlhandlungsfeld nutzt der Bewerber die entsprechenden Formblätter zu den Wahlhandlungsfeldern. Aus den dortigen Hinweisen ergeben sich konkrete Bewertungskriterien. Allgemein decken sich diese mit denjenigen für die Pflichthandlungsfelder.

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4. Identifikation der Schulakteure mit der Erklärung zum Gewaltverzicht

Der Bewerber dokumentiert, dass mindestens 80 Prozent der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler, der Erziehungsberechtigten (je eine Person pro Schülerin bzw. Schüler) und des nicht unterrichtenden Personals die Erklärung zum Gewaltverzicht in ihrer je aktuellen Fassung unterzeichnet haben. Die eingesammelten Erklärungen selbst verbleiben für drei Jahre in der Schule. Einzureichen ist eine Erklärung der Schulleitung, mit der die Zielerfüllung bestätigt wird. Für jede Statusgruppe sind hierbei die Anzahl der signierten Erklärungen sowie der erreichte Beteiligung in Prozent aller anzugeben.

Abschließend noch ein Hinweis für die Schulen, die Überlegungen zu einer möglichen Bewerbung anstellen. Die Diskussion sollte keinesfalls nur die Frage aufgreifen, ob die Mitglieder des Präventionsrates mit der Bewerbung davon zu überzeugen sind, dass die Schule innerhalb von drei Jahren alle Pflichtfelder sowie ein Wahlfeld der schulischen Gewaltprävention entsprechend der Vorgaben etablieren kann. Mindestens gleichrangig ist die Frage nach innen zu richten, ob also die Schule selbst sicher ist, innerhalb von drei Jahren die Gewaltprävention entsprechend der Vorgaben auszugestalten. Denn wenn die Etablierung von den Grundlagen einer systematischen Gewaltprävention nicht erreicht wird, kann das Siegel nach Ablauf der ersten Phase kaum erneuert werden. Dies allerdings wäre mit einem erheblichen Imageschaden verbunden.

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Voraussetzungen im Überblick

Alle Pflichtfelder und ein Wahlfeld müssen in Form von entsprechenden Maßnahmen / Instrumenten drei Jahre nach der erstmaligen Vergabe des Siegels programmatisch und alltagskulturell fest im Schulleben verankert sein. Hierzu müssen jeweils Bestandsaufnahmen, Vorarbeiten und Arbeitspläne dargestellt werden, die das Erreichen dieser Verankerung realistisch erscheinen lassen. Gelingt die Verankerung nicht, kann das Siegel ggf. entzogen werden. Grundlegend für die realistische Umsetzung ist die Einrichtung einer schulischen Steuerungseinheit für die Gewaltprävention.

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